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Die Herausforderung

Immer mehr Menschen fühlen sich zu fernöstlichen Philosophien, Yoga oder Meditation hingezogen. Stehen Sie doch in unserer Vorstellung für Gelassenheit, Gleichmut, Zentriertheit, Weisheit und Lebenssinn. Qualitäten, die in der modernen Welt leicht verloren zu gehen scheinen oder erst gar keinen Platz darin finden.

Wie lassen sich aber die unterschiedlichen Welten und Lebensauffassungen von Fernost und Europa miteinander vereinbaren? Meiner Meinung nach, ist das gar nicht erforderlich, weil die Praxis der Meditation allen Kulturen gemeinsam ist, wenn sich auch die Formen und der Zugang dazu unterscheiden. Die tiefe Sehnsucht aller Menschen, über alle Kulturen hinweg, ist doch die Gleiche: Harmonie, Gleichgewicht, innerer Frieden. Nur, dass diese einfache Wahrheit im Gewimmel gesellschaftlicher Erwartungen, persönlicher Wünsche und scheinbarer sowie tatsächlicher Verpflichtungen immer mehr verblasst und in Vergessenheit gerät. Dabei weiß jeder von uns aus eigener Erfahrung, dass die Erfüllung unserer Wünsche nicht glücklich macht, sondern lediglich kurzfristige Befriedigung verschafft. Und dennoch dauert es nicht lange, bis wir wieder neue Wünsche und Vorstellungen entwickelt haben: Wenn ich endlich einen Partner hätte,… Wenn ich meine Schulden bezahlt hätte,… Wenn mich xy nicht dauernd kränken würde,…  …, dann könnte ich glücklich sein. Wirklich? Mal GANZ ehrlich: Für wie lange hat Sie die Erfüllung Ihres letzten Wunsches glücklich gemacht?

Burnout, Multitasking, Mehrfachbelastung, Freizeitstress – moderne Wortschöpfungen, die das Dilemma des modernen Menschen deutlich zum Ausdruck bringen.

Wir Westeuropäer sind in der absolut privilegierten Position, dass wir weder von Krieg, Hunger, Durst oder Obdachlosigkeit ernsthaft bedroht sind. Unser Überleben ist gesichert. Und mehr ist zum Glücklich-Sein nicht nötig. Das Glück der kleinen Dinge ist in jedem Augenblick zu finden, in dem wir achtsam wahrnehmen was ist. Es zeigt sich in liebevoller Annahme und Zuwendung zu uns selbst und  zu unseren Mitmenschen.

Ist das wirklich so einfach? Und warum gelingt es dann so wenigen von uns? Zum Teil ist dafür die Funktionsweise unseres Gehirns mit verantwortlich. In Jahrmillionen der Menschheitsgeschichte haben sich die Anforderungen an das Gehirn deutlich schneller verändert, als sich die Gehirnstrukturen ihren neuen Aufgaben hätten anpassen können. Die ehemals wichtigen Überlebensfunktionen des Gehirns sind in einer Umwelt, in der es kaum noch reale, unmittelbare Bedrohungen für unser Leben gibt, nicht mehr erforderlich, funktionieren aber dennoch weiter. Dadurch kommt es vielfach zu emotionalen Überreaktionen, sowie zu Fehlinterpretationen vermeidlicher Gefahren. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist lernfähig und lässt sich trainieren. Dabei unterscheidet es sich nicht wesentlich von anderen Teilen unseres Körpers, z.B. Muskeln. Das, was trainiert wird, verbessert sich und wird stärker, das, was nicht benötigt wird, baut sich ab und verkümmert. Das Gehirn ist sehr wandelbar und kann sich, bei entsprechendem Training, bis ins hohe Alter hinein verändern und sogar vergrößern. Meditation fördert insbesondere die Funktionen im linksseitigen präfrontalen Cortex. Diese Strukturen sind vor allem bei positiven Gefühlen aktiv, wie z.B. Güte, Nächstenliebe und Mitgefühl. Wenn ein gut trainierter Sportler einen steilen Berg mühelos erklimmt, bei dem andere aufgeben, weil es zu anstrengend und mühsam erscheint – so handelt es sich doch immer um den gleichen Berg. So hat auch jedes Leben seine Höhen und Tiefen, niemand bleibt von Leid verschont.  Wäre es nicht schön, mit einem entsprechenden Training, die positiven Ereignisse stärker gewichten zu können? Es lohnt sich also gerade die Gehirnregionen mit Hilfe von Meditation zu trainieren, die uns helfen positive Gefühle zu erleben und angenehme Gemütszustände aufrecht zu erhalten und nach Rückschlägen wieder zu erlangen.